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Was können wir vom reichen Jüngling lernen?

vor 6 Tagen
6 Min. Lesezeit

Die Geschichte vom reichen Jüngling gehört zu den bekannten Begegnungen Jesu. Ein wohlhabender junger Mann kommt zu Jesus und möchte wissen, was er tun muss, um das ewige Leben zu haben. Jesus spricht mit ihm über die Gebote und fordert ihn schließlich auf, seinen Besitz zu verkaufen, den Armen zu geben und ihm nachzufolgen. Der Mann geht traurig davon, weil er sehr reich ist (Matthäus 19,16–22; Markus 10,17–22; Lukas 18,18–23).

Doch was können wir vom reichen Jüngling lernen? Oft wird diese Geschichte vor allem als Warnung vor Reichtum ausgelegt. Geld darf nicht zum Götzen werden. Das ist sicherlich ein wichtiger Teil dieser Begegnung. Doch wenn wir genauer hinschauen, entdecken wir noch viel mehr. Jesus führt diesen Mann Schritt für Schritt weg von seinem äußeren Tun und hin zu seinem Herzen. Dabei gibt es einige Details, die wir beim schnellen Lesen leicht übersehen.


Der reiche Jüngling im Gespräch mit Jesus

Warum sagt Jesus zum reichen Jüngling: „Was nennst du mich gut?“

Der junge Mann beginnt seine Frage mit einer bemerkenswerten Anrede. Bei Markus und Lukas nennt er Jesus „guter Meister“ und fragt ihn, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erben (Markus 10,17; Lukas 18,18). Jesus reagiert darauf mit einer Gegenfrage: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein.


Auf den ersten Blick könnte man meinen, Jesus würde hier von sich weisen, gut oder göttlich zu sein. Doch die Frage kann den Mann gerade dazu bringen, über seine eigenen Worte nachzudenken. Wenn allein Gott vollkommen gut ist, warum nennst du mich dann gut? Hast du erkannt, wer vor dir steht? Jesus gibt ihm nicht einfach eine theologische Definition seiner Identität. Er stellt eine Frage, die den jungen Mann herausfordert, tiefer zu sehen.


Das wird im weiteren Verlauf der Geschichte noch spannender. Denn am Ende wird Jesus diesen Mann nicht nur auffordern, etwas aufzugeben. Er wird sagen: „Komm und folge mir nach.“ Wenn wir Anfang und Ende dieser Begegnung zusammendenken, entsteht eine starke Verbindung. Am Anfang steht die Frage nach dem Guten und damit nach Gott. Am Ende steht Jesus selbst vor diesem Mann und fordert ihn zur Nachfolge auf.


Der junge Mann muss sich entscheiden, wer Jesus für ihn tatsächlich ist.

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Warum zählt Jesus das erste Gebot nicht auf?

Der Mann möchte wissen, was er tun soll. Jesus nennt ihm daraufhin mehrere Gebote: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst kein falsches Zeugnis geben. Ehre Vater und Mutter. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (Matthäus 19,18–19).


Der junge Mann antwortet, dass er diese Gebote gehalten habe. Genau hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn welches Gebot steht an allererster Stelle? Als Jesus an anderer Stelle nach dem größten Gebot gefragt wird, antwortet er, dass wir Gott mit unserem ganzen Herzen, unserer ganzen Seele und unserem ganzen Denken lieben sollen. Danach kommt die Liebe zum Nächsten (Matthäus 22,37–40).


In der ersten Aufzählung gegenüber dem reichen Jüngling stehen jedoch vor allem Gebote im Mittelpunkt, die den Umgang mit anderen Menschen betreffen. Der Mann kann darauf schauen und sagen: Das habe ich getan. Diese Regeln habe ich eingehalten. Aber Jesus bleibt nicht bei seinem Verhalten stehen. Er führt ihn genau an den Punkt, an dem sichtbar wird, ob das erste und größte Gebot tatsächlich sein Herz bestimmt. Die Geschichte stellt damit eine viel tiefere Frage als nur: Hältst du die Gebote? Sie fragt: Wem gehört dein Herz?


Jesus kannte das Herz des reichen Jünglings

Jesus wusste, woran dieser Mann hing. Besonders bewegend ist deshalb ein kleines Detail, das Markus überliefert: Jesus sah ihn an und liebte ihn (Markus 10,21). Erst danach spricht Jesus den Besitz des Mannes an. Das dürfen wir nicht überlesen. Jesus deckt etwas in seinem Herzen auf, weil er ihn liebt. Seine Aufforderung ist keine grausame Prüfung und keine Demütigung. Jesus möchte ihn freisetzen.


Der Besitz war nicht einfach nur etwas, das dieser Mann hatte. Er hatte einen solchen Stellenwert bekommen, dass an ihm sichtbar wurde, wem das Herz des Mannes letztlich gehörte.

Deshalb trifft Jesus genau diesen Bereich. Nicht, weil Geld grundsätzlich böse wäre und auch nicht, weil jeder Christ alles verkaufen müsste. Jesus begegnet einem konkreten Menschen und bringt ans Licht, was dessen Herz gefangen hält.


Genau das erleben wir auch heute. Gott kann Bereiche unseres Herzens aufdecken, bei denen wir zunächst denken: Warum gehst du ausgerechnet daran? Warum soll ich das loslassen? Doch vielleicht geht es gar nicht zuerst um die Sache selbst. Vielleicht geht es darum, welchen Platz sie in unserem Herzen eingenommen hat. Der Heilige Geist deckt solche Dinge nicht auf, um uns zu beschämen. Er bringt sie ans Licht, damit wir frei werden können.


Jesus und der reiche Jüngling aus Matthäus 19

Was bedeutet „Verkaufe alles und folge mir nach“?

Wir bleiben bei dieser Geschichte häufig bei den Worten „Verkaufe deinen Besitz“ stehen. Doch der Satz Jesu endet dort nicht. Der entscheidende Teil folgt danach: „Komm und folge mir nach.“


Jesus ruft diesen Mann nicht einfach in die Armut. Er ruft ihn zu sich. Das Loslassen hat ein Ziel: Nachfolge. Jesus sagt gewissermaßen: Lass das los, woran dein Herz hängt, und komm mit mir.


Und plötzlich bekommt auch das erste Gebot eine ganz neue Bedeutung. Gott von ganzem Herzen zu lieben bedeutet, dass nichts anderes seinen Platz einnehmen darf. Genau an diesen Punkt führt Jesus den reichen Jüngling. Er hatte viele Gebote eingehalten, doch als Jesus sein Herz berührte, wurde sichtbar, dass es etwas gab, das er nicht loslassen wollte.

Das macht auch die Worte vom Anfang so interessant. Jesus hatte gesagt, dass niemand gut sei außer Gott allein. Wenig später fordert genau dieser Jesus den Mann auf: Folge mir nach. Wir sollten daraus nicht mehr machen, als der Text ausdrücklich sagt.


Dennoch entsteht hier eine bemerkenswerte christologische Spannung: Der Mann muss sich fragen, welche Autorität dieser Jesus besitzt und ob er bereit ist, ihm einen Platz einzuräumen, der alles andere übersteigt. Jesus sagt an dieser Stelle nicht mit den gleichen Worten wie etwa bei der Frau am Brunnen: „Ich bin der Messias“ (Johannes 4,25–26). Doch seine Worte und sein Anspruch auf Nachfolge stellen den Mann unübersehbar vor die Frage, wer Jesus wirklich ist.


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Das Problem war nicht zuerst sein Geld, sondern sein Herz

Das ist für mich einer der wichtigsten Schlüssel dieser Geschichte. Wir können sie lesen und uns beruhigen, weil wir vielleicht gar nicht reich sind. Dann haben wir allerdings möglicherweise die eigentliche Botschaft verpasst. Denn die Frage lautet nicht nur: Hängst du an Geld? Die Frage lautet: Woran hängt dein Herz?


Bei einem Menschen kann es Geld sein, bei einem anderen Anerkennung. Es kann die Karriere sein, eine Beziehung, Kontrolle, Sicherheit, der eigene Ruf, Erfolg oder sogar der Dienst für Gott. Manchmal können sogar Dinge, die an sich gut sind, einen Platz in unserem Herzen einnehmen, der ihnen nicht gehört.


Vielleicht hilft deshalb eine sehr persönliche Frage:

  • Was könnte ich nur sehr schwer loslassen, wenn Jesus mich darum bitten würde?

  • Woraus ziehe ich meine Sicherheit?

  • Was bestimmt meinen Wert?

  • Wovor habe ich Angst, wenn ich mir vorstelle, es nicht mehr zu haben?

  • Gibt es etwas, bei dem ich wie der reiche Jüngling traurig werden würde, wenn Jesus sagt: „Lass es los und folge mir“?


Hier wird die Geschichte plötzlich sehr persönlich. Jesus möchte nicht einfach Dinge aus unserem Leben entfernen. Er möchte unser Herz.


Der reiche Jüngling fragte nach dem Tun, Jesus rief ihn in die Nachfolge

Auch die Ausgangsfrage des Mannes ist bemerkenswert: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen? Sein Blick ist auf Leistung gerichtet. Was muss ich erfüllen? Welche Gebote muss ich halten? Was fehlt noch auf meiner Liste?


Wir können unseren christlichen Glauben genauso leben. Was muss ich tun? Wie viel muss ich beten? Was darf ich nicht machen? Welche Aufgabe hat Gott für mich? Was ist meine Berufung? Wo soll ich dienen? Wie kann ich ein besserer Christ werden? Und mitten in all diese Fragen hinein stehen die einfachen Worte Jesu: „Folge mir nach.“


Vielleicht ist das viel näher am eigentlichen Sinn unseres Lebens, als wir denken. Bevor Jesus uns zu einer Aufgabe ruft, ruft er uns zu sich. Christsein bedeutet nicht zuerst, eine religiöse Aufgabenliste abzuarbeiten. Es bedeutet, mit Jesus zu gehen. Ihn kennenzulernen. Ihm zu vertrauen. Ihn von ganzem Herzen zu lieben und ihm zu erlauben, auch die Bereiche unseres Lebens zu berühren, die wir am liebsten festhalten würden. Der reiche Jüngling hatte vieles richtig gemacht. Aber als Jesus an sein Herz kam, ging er traurig weg.


Und vielleicht liegt genau darin die große Frage dieser Geschichte: Will ich Jesus nur gehorchen, solange er nicht das berührt, woran mein Herz wirklich hängt? Oder darf er tatsächlich Herr meines ganzen Lebens sein?


Was können wir vom reichen Jüngling lernen – Begegnung mit Jesus

Jesus sah diesen Mann an und liebte ihn. Dann lud er ihn ein: Komm und folge mir nach.

Diese Einladung gilt bis heute. Es geht nicht zuerst darum, immer mehr für Jesus zu tun. Es geht darum, ihm unser Herz zu geben und ihm nachzufolgen. Manchmal bedeutet genau das, etwas loszulassen. Nicht weil Jesus uns berauben möchte, sondern weil er uns liebt und weiß, was uns daran hindert, wirklich frei mit ihm zu gehen.


Vielleicht sollten wir diese Geschichte deshalb nicht mit der Frage beenden: „Was muss ich verkaufen?“ Sondern mit einer viel tieferen: „Jesus, gibt es etwas in meinem Herzen, das mir wichtiger geworden ist als du?“


Wir beschäftigen uns auch in unserem Podcast intensiv mit dem Thema Herz und Nachfolge – hör gerne rein und begleite uns auf dieser Reise. Schau außerdem bei der Holy Bible App vorbei: Dort findest du bereits einige unserer Lesepläne für dich – lies, studiere Gottes Wort und lass dich von Jesus verändern.


Du bist gesegnet, Elena

Blogbeitrag: Was können wir vom reichen Jüngling lernen?

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