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kostenlose Leseprobe - Schönheit liegt im Auge des Betrachters -

Aktualisiert: 18. Apr.

Kapitel 1


Liebe Leserin,


gehörst du auch zu den Frauen, die sich innerlich gefangen, versklavt und unterdrückt fühlen? Viele von uns schleppen diese Fesseln ein Leben lang mit sich, die uns von der wahren, in uns verborgenen Freiheit abhalten. In diesem Buch möchte ich dir meine Geschichte erzählen, in der es um den Weg geht, den ich durch die Wüste gegangen bin. Die Fußspuren, die ich dabei hinterlassen habe, zeichnen einen Pfad, der für mich eine neue, noch nie da gewesene Schönheit offenbart hat. Diese Schönheit hat meinen Blick auf mein Spiegelbild vollkommen verändert. Sie hat mich aus dem Schmerz herausgeholt, in dem ich einmal festsaß. Und weil ich diese Schönheit nicht für mich behalten möchte und dazu berufen bin, erzähle ich dir hier davon und will diese Wahrheiten in die Welt hinausposaunen.


Mein innigster Wunsch ist es, dass unser Schmerz, den wir als Unterdrückte verspüren, vollständig gebrochen wird und wir echte Freiheit erleben. Dabei ist es völlig unerheblich, welche Vergangenheit wir mit uns tragen. Ganz gleich, ob unsere Identität beschmutzt und mit Füßen getreten wurde, oder uns unsere Würde durch Menschen und Situationen in unserem Leben geraubt worden ist. Wir sind nicht zu einem Leben von Unterdrückung berufen! Es gibt Hoffnung und Wiederherstellung für jede von uns. Ich glaube an eine Generation von Frauen, die sich von all diesen Fesseln lösen wird, die bereit ist, in ihre wahre Schönheit hineinzutreten und sich das zu nehmen, was ihr zusteht. Ich glaube, dass wir Frauen alles bekommen haben, was wir benötigen, um aufzustehen und unser Haupt zu erheben. Wir sind zu mehr berufen als nur zur äußeren Schönheit. Tief in uns verborgen gibt es ein Geheimnis, das sich zu erkennen geben will. Es ist an der Zeit aufzustehen und zu erkennen, wer wir wirklich sind.


Schönheit bringt Schätze in uns ans Licht. Sie erfüllt uns mit Herrlichkeit und schenkt Wiederherstellung. Sie schenkt uns einen neuen Blick auf uns, unsere Umstände und erfüllt unser Herz mit Freude. Wahre Schönheit schenkt uns Leben im Überfluss und bringt uns in unsere Berufung. In ihr finden wir die Dinge, nach denen wir uns immer gesehnt haben.

Ich lade dich zu dem Abenteuer ein, zu erkennen, wie wunderschön du bist!

Elena Engels




1. Was ist schön?

Schönheit, wie wir sie kennen


Es war ein normaler Nachmittag im August. Ich saß auf dem Boden im Stelzenhaus meiner Tochter und lackierte die Wände weiß, während sie im Garten um mich herumsprang und sich auf das fertige Häuschen freute. Plötzlich verfing sich ein Gedanke in meinem Kopf, ganz unspektakulär und doch so klar wie nie: „Schreibe ein Buch!“ Der Gedanke war nicht ganz neu und doch war es heute anders, denn sogar der Titel stand nun klar vor meinem geistigen Auge: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“. Es war, als hätte ihn mir jemand zugeflüstert. Während ich weiter den Pinsel schwang und meine Tochter anlächelte, fing ich an darüber nachzudenken, was dieser Satz für mich bedeutet. Klar, Schönheit ist kein allgemein gültiger Begriff, jeder Mensch beurteilt nach seinem eigenen Geschmack, was er als schön bezeichnet. Die Dinge, die ich schön finde, entsprechen vielleicht gar nicht deinem Geschmack. Schönheit ist subjektiv und von persönlichen Gefühlen, Interessen und Vorurteilen bestimmt. Wenn wir etwas wahrnehmen, können wir es voreingenommen, befangen und unsachlich beurteilen.

Und dennoch stellte ich mir im Häuschen meiner Tochter die Frage, wie ich diesen Begriff beschreiben könnte, während ich in meinem Malerkittel und mit Farbspritzern im Gesicht weiterarbeitete. Wäre Schönheit eine Person, wäre sie für mich voller Anmut und Attraktivität. Mit einer ganz besonderen Ausstrahlung und mit ihrem Charisma würde sie mich in ihren Bann ziehen. Schönheit wäre für mich chic, elegant, stilvoll und voller Feinheit und Vornehmheit, um nur einige Eigenschaften zu nennen.


Wenn ich von einem reinen ästhetischen Wert ausgehe, stände der Schönheit die Hässlichkeit gegenüber. Sie hat sowohl objektbezogene als auch subjektive Aspekte.

Instagram-Schönheit


Als ich vor einiger Zeit auf Instagram eine Umfrage zum Thema Schönheit startete und fragte, was die Teilnehmerinnen darunter verstanden, bekam ich zu 95 Prozent die Antwort, dass Schönheit aus dem Inneren des Menschen komme und definitiv mehr sei als das Äußere. Außerdem beschrieben die meisten Frauen ihre Sicht auf Schönheit als pure Natürlichkeit, ohne zusätzlichen Aufwand des eigenen Dazutuns. Ihrer Ansicht nach spiele unsere Seele dabei eine große Rolle. Für die einen ist Schönheit alles, was sie mit Liebe betrachten. Zum Beispiel empfinden sie Dinge als ansehnlich, die nicht der Norm entsprechen. Sie finden das Lachen des Menschen schön oder die Weisheit, die einen Menschen attraktiv aussehen lässt. Einige Frauen schrieben, dass die innere Haltung sowie der Charakter eine Person erst so richtig schön machten. Für die anderen ist es etwas, was das Auge und das Herz erfreut. Ein freundliches Lachen, das gute Laune verbreitet, bereitet den Frauen auf Instagram Freude und weckt ihren Blick für das Schöne. Andere schrieben, Schönheit sei etwas, was sie gerne anschauten, wie beispielsweise die guten Taten eines Menschen. Sie seien bewundernswert und daher schön. Wieder andere antworteten, dass sie Menschen als schön empfänden, die Freiheit ausstrahlten und nicht nach Perfektion strebten.


So wie die Frauen, die an meiner Umfrage teilgenommen haben, glaube ich auch, dass die eigentliche Schönheit, wie Gott sie sich gedacht hat, aus unserem Inneren kommt. Soweit die Theorie. Doch obwohl wir das eigentlich alle wissen, stellen wir unsere eigene, persönliche Schönheit infrage. Obwohl wir wissen, dass es nach außen sichtbar wird, wenn wir uns in unserer Haut wohlfühlen, konzentrieren wir uns zu oft nur auf das Äußere. Dabei ist es unser Innerstes, das mehr Komplimente vertragen könnte als unsere Haare, unsere Figur und unser Gesicht. Mal ganz ehrlich, wie oft hast du dein Spiegelbild mit kritischen Augen betrachtet? Und selbst wenn wir nur unsere äußere Schale betrachten, finden wir mehr Makel an uns als an jeder anderen Person.


Wann hast du zum letzten Mal positiv über deinen Körper gesprochen? Nein, ehrlich! Wann hast du dich im Spiegel betrachtet und die Dinge aufgezählt, die du an dir magst?

Vielleicht machst du hier schon einmal eine kleine Pause und denkst über dich und dein Spiegelbild nach. Du könntest dich tatsächlich vor deinen Spiegel stellen und die Dinge aufzählen, die du an dir liebst, und sie dann aufschreiben. Ich glaube, das wäre ein guter Einstieg in dieses Buch, denn ich bin davon überzeugt, dass es deinen Blick auf Schönheit verändern wird.


Weißt du, ich gehe oft am Spiegel vorbei und beschwere mich innerlich über meine Haare, die mal wieder total blöd liegen. Oder ich fange an, laut zu seufzen, weil mich meine unreine Haut nervt. Es gibt einige Dinge, die mich stören und die ich verändern würde, wenn ich könnte, aber mir fallen nur beim genauen Hinsehen Dinge auf, die ich an mir liebe. Wie zum Beispiel meine Zähne, meine Augen und mein Lächeln. Fällt es dir auch schwer, liebevolle Worte für dich zu finden? Glaub mir, diese Gefühle und Gedanken sind mir sehr wohl bekannt. Frauen, Männer und selbst Kinder im jungen Alter sind oft unzufrieden mit dem Blick in den Spiegel. Es beginnt schon relativ früh, dass wir Menschen unsicher werden und uns als Folge davon sogar durch Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating-Störung durchkämpfen. Einige von uns fangen an zu fressen, um ihren Schmerz zu stillen. Andere hingegen erbrechen, um den inneren Schmerz zu beseitigen. Doch der Schmerz bleibt und verschwindet nicht. Er wird nur noch größer, weil wir nicht bereit sind, in unser Innerstes zu schauen, wo sich die eigentliche Schönheit befindet.

Vor kurzem sah ich eine interessante Dokumentation namens „Embrace“ auf Amazon Prime. Darin fragt die Filmemacherin Taryn Brumfitt, warum wir uns von einem von den Medien geschaffenen Körperideal bestimmen lassen, und was wir dagegen tun können. Bei einer Umfrage in der Doku sollten Frauen ihren Körper mit nur wenigen Worten beschreiben. Die meisten Begriffe davon waren negative. Die Frauen beschrieben ihren Körper folgendermaßen: „Nicht perfekt“, „Wabbelig“, „Stämmig“, „Sehr durchschnittlich“, „Nicht schön anzusehen, so wie er ist“, „Ich mag meinen Körper nicht, ich hasse ihn“, „Ich fühle mich abstoßend“. Wie erschreckend! Woher kommen all diese schrecklichen Gedanken? Warum denken wir bloß so über uns? Hinter unserer Unsicherheit und dem Unbehagen steckt viel mehr als nur die rein äußere Schönheit. Der Blick auf unseren Körper birgt ein Geheimnis, das mit unserem inneren Leben zu tun hat.



Meine Welt der Fotografie


Seit mehr als zwölf Jahren widme ich mein Berufsleben der Fotografie. Dabei steht für mich der Mensch im Fokus. Am Anfang meiner Zeit als Azubi in einem Fotostudio entdeckte ich die Fashion- und Beauty-Fotografie, die mich sofort mit ihrer Vielfalt begeisterte. Während ein Naturfotograf auf verschiedene Lichtverhältnisse achten muss, war mir in der Fashion- und Beauty-Fotografie nichts verboten und es gab für mich keine Einschränkungen. Weder beim Licht noch bei der Location, dem Model und der Kleidung sowie dem Make-up. Ich liebte es, herumzuexperimentieren und die Nächte durchzuarbeiten. Angefangen mit einer einfachen Idee, entwickelte sich ein riesiges Projekt, das ich bis ins kleinste Detail ausarbeitete. Mit der Zeit entwickelte ich meinen eigenen Stil. Bei jedem Projekt gab es ein bestimmtes Farbschema, eine gesonderte Kulisse, exotische Models und Assistenten, die mit mir bis in die Früh arbeiteten.

Vor lauter Begeisterung über die Fashion- und Beauty-Welt merkte ich nicht, wie ich schleichend die Ideale unserer heutigen Gesellschaft übernahm. Auf der Suche nach Modellen richtete ich mich nach dem Trend der skurrilen High Fashion-Fotografie und vernachlässigte immer mehr meinen eigenen Stil. Ich wurde mehr und mehr zu einer Marionette, die mit ihrer Fotografie nichts Neues kreierte, sondern einfach dem Trend nachjagte.

Meine Arbeiten waren zwar außergewöhnlich, stellten jedoch nicht mehr das dar, was ich zu Beginn meiner Laufbahn als Fotografin schön gefunden hatte. Bevor ich an ein neues Projekt heranging, stellte ich mir nicht mehr die Frage, was mir persönlich gefiel, sondern, mit welchen Bildern ich Aufsehen erregen könnte und welche Models in das vorherrschende Beauty-Ideal passten. Ohne es zu bemerken, bekam ich ein total schräges Bild davon, was Schönheit für mich bedeutete. Schönheit war zunehmend verwirrend, gewalttätig, vulgär, dürr, düster, erschreckend, gefährlich und sexistisch. Ich bin ganz ehrlich: Mit meinen Bildern unterstützte ich ein völlig falsches Bild der Frau. Für meine Fotografien konnte das Model nie dünn genug sein. Die Frau musste sich für eine erfolgreiche Fotostrecke ausziehen und sich hilflos präsentieren, als wäre sie in sich selbst gefangen. Erst einige Jahre später erkannte ich diesen Trugschluss. Wie es zu einem Umdenken kam, erzähle ich dir in den weiteren Kapiteln.


Spieglein, Spieglein an der Wand


Im Vergleich zu früher werden wir heute zu großen Teilen von den Medien beeinflusst. Egal wohin wir schauen, wir sehen perfekte Menschen, die den idealen dünnen Körper besitzen: schlank, durchtrainiert und makellose reine Haut. Das ist das Bild, das uns seit vielen Jahrzehnten prägt und das uns unsicher und unzufrieden macht. Auf den Kanälen der sozialen Medien folgen wir nicht selten Menschen, deren Aussehen sowie deren Lebensstil eine perfekte Darstellung zeigt. Es gab Tage in der Vergangenheit, an denen ich völlig unmotiviert mein Handy zur Seite legte, weil ich mich nur mit dem Lifestyle eines Menschen auseinandersetzte, der völlig gestellt und unecht war. Die wenigen Accounts, die bewusst einen Gegentrend setzen wollen, sind noch lang nicht genug. Die meisten Influencer zeigen sich auf Instagram perfekt gestylt und sprechen in Dauerschleife von ihrem erfolgreichen Tag. Im Laufe der Jahre wurde mir bewusst, wie wir Nutzer von sozialen Medien manipuliert werden.




Wir Frauen haben ohnehin das Gefühl, nie genug zu sein, und möchten beispielsweise unsere Karriere mit einer perfekten Kindererziehung 24/7 vereinbaren.

Doch leider lässt sich das nicht vereinbaren. Wir denken, wir müssen perfekt sein und werden nur dann geliebt, wenn wir eine gute Ehefrau, eine liebevolle und geduldige Mutter, erfolgreiche Businessfrau und ordentliche Hausfrau in einem sind. Ach ja, nicht zu vergessen, all diese Eigenschaften kombiniert mit dem perfekt gestylten Outfit und einem schönen Make-up. Immer bereit, um eine inszenierte Story auf Instagram zu posten, die alle anderen Frauen verunsichert und auf die Knie zwingt, um an sich noch mehr und besser zu arbeiten. Und wir machen uns wirklich vor, dass wir es geschafft haben und nur dann erfolgreich sind, wenn wir alles unter Dach und Fach haben.


Unseren Männern wird derweil vermittelt, dass sie die perfekte Freundin, Ehefrau, Hausfrau und Mutter erwarten dürfen.

Nachdem wir unsere Sucht eine Weile durch Instagram und Co. ausgefüllt haben, fühlen wir uns – wenn wir ehrlich sind – meistens mies. Nicht zu selten fangen wir an, uns zu vergleichen, und entdecken sehr schnell, wir sind nicht im Geringsten genauso diszipliniert wie die perfekten Mütter, die durchtrainierten Frauen oder die schlanken und schönen Influencerinnen, denen wir folgen und die ein ,,perfektes Leben“ führen. Beinahe auf allen Frauenkanälen in den sozialen Medien werden wir Frauen von Diäten erdrückt, die uns nichts anderes sagen wollen außer: „Du musst dich verändern, um genauso gut auszusehen, wie die eine perfekte Frau!“, … die es gar nicht gibt. So entsteht ein immenser Druck, und eine nutzlose Diät jagt die andere.

 

Heute ist mir bewusst, dass der ganze Zirkus letztlich dazu dienen soll, dass wir immer mehr kaufen und konsumieren. Hier noch der ideale Shake zum Abnehmen, da noch die perfekte Liegematte, um unser Workout zu Hause zu verbessern, und zum Schluss noch eine neue Creme, die unseren Poppes fester macht. Das alles soll unseren inneren Schmerz ausfüllen, hält aber gleichzeitig den Finger in unsere tiefsten Wunden.

Wusstest du, dass Modedesigner ihre Kleidung ausschließlich in der Größe 34 herstellen? Ihrer Meinung nach kommt Ästhetik am besten durch kleine Kleidungsgrößen zur Geltung. Außerdem wird dadurch die Kleidung um ein Vielfaches besser verkauft. Deshalb haben viele Frauen gar keine andere Wahl, als schlank und dürr zu bleiben, um in die Designerkleidung reinzupassen. Aber diese Art von Frauen gibt es in der Realität gar nicht. Sie entsteht am Computer und wird mit Photoshop schlanker bearbeitet und völlig weichgezeichnet. Viele Mütter, die vor wenigen Wochen ihr Kind entbunden haben, müssen den Magazinen und Medien zufolge in kürzester Zeit dünn, sportlich und durchtrainiert sein. Selbst Großmütter müssen in jeder Situation gut aussehen. Nach all den vielen Jahren haben wir uns an diesen Körpertyp gewöhnt. Wir finden ihn überall um uns herum. Auf unserem Handy, im TV, in jeder Werbung, in Magazinen, in Geschäften und in zahlreichen Büchern. Aber nicht einmal das Covergirl sieht aus wie ein Covergirl! Wir haben einfach vergessen, wie ein durchschnittlicher Körper aussieht. Das Schönheitsideal aus der Barockzeit war eine üppige Frau mit viel Bauch und Po – und sogar einem Doppelkinn.


Seitdem wir den Fernseher haben, haben wir neue, ungesunde Werte übernommen und empfinden diese heute als normal. Einem Mädchen mit der Körpergröße eines Models wird vermittelt, dass es nicht dünn genug ist. Und selbst die Schaufensterpuppen in den Städten sind meistens unglaublich dürr. Ich kenne einige Frauen, die sich nicht trauen, in einer Boutique shoppen zu gehen. Viel lieber bestellen sie ihre Mode online, damit sie ihren Frust nach dem unglücklichen Anprobieren in sich hineinfressen können. Die Scham ist viel zu groß, mit ihren Freundinnen gemeinsam die Stadt unsicher zu machen. Es macht sie unsicher, weil sie sich oftmals mit anderen Frauen vergleichen und ihrem eigenen Schönheitsideal nicht entsprechen. Dabei sind sie schön und völlig okay, so wie sie sind.

Schon lange wird uns eingetrichtert, dass wir automatisch ungesund sind, wenn wir „dick“ sind, und als gesund gelten, wenn wir „dünn“ sind. Dabei gibt es genug Menschen auf dieser Welt, die dünn sind und ungesund leben. Das Ideal eines schlanken Körpers ist wirklich wichtig geworden und es ist ein regelrechter Körperkult entstanden, der gleichgesetzt werden kann mit einem Götzen, dem wir dienen. Alles, einfach alles um uns herum, dreht sich um ein und dasselbe, ewige Thema. Doch vor allem liegt es an der Globalisierung der Medien, dass wir uns nicht wohl in unserer eigenen Haut fühlen. Im Großen und Ganzen stehen wir vor einem Problem von Magerwahn, Gesundheitswahn und Fitnesswahn.


Schönheit durch Operation?


Bei meinen Recherchen zum Thema Schönheit wurde ich nicht nur einmal schockiert. In Seoul, der Hautstadt Südkoreas, befindet sich das Mekka der Schönheitsoperationen mit mehr als 400 Schönheitskliniken. Hier gibt es die meisten Beauty-Operationen pro Kopf. Fast alle jungen Südkoreaner lassen sich operieren, um in der Gesellschaft mehr anerkannt zu werden. Ohne Make-up und perfektes Outfit geht die Generation Z nicht aus dem Haus. Dass sie kaum etwas essen, begründen die jungen Südkoreaner mit ihrem Körperbewusstsein. Sie operieren sich ihre schönen Augen, um europäischer auszusehen und um eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.


86 Prozent aller kosmetischen Eingriffe werden an Frauen vorgenommen. Im Iran werden pro Jahr über 200 000 Nasen-OPs durchgeführt. In Südkorea hatte schon eine von fünf Frauen eine Schönheits-OP und in den USA gibt es über 4 Millionen kosmetische Eingriffe pro Jahr.


Die junge Generation in Mexiko hat es satt, nach Amerika das zweite Land mit den meisten übergewichtigen Menschen zu sein. Sie leben für einen gesünderen Lifestyle im Vergleich zu ihren Eltern. Sie rauchen und trinken nicht und nehmen keine Drogen zu sich. Dafür verbringen sie bis zu fünf Stunden am Tag auf den Kanälen der sozialen Medien. Sie checken ständig ihre Messages und folgen Idolen nach. Bis zu 60 Prozent der Teenager vergleichen ihre Ernährung und ihre Sportgewohnheiten mit denen ihrer Vorbilder und sind sich nicht bewusst darüber, dass nach bis nur 30 Minuten auf Instagram eine negative Körperwahrnehmung bei 18-25-Jährigen entsteht. Die Gefahr dabei ist eine Entwicklung eines kranken Körperkults. In Mexiko ist der Besuch eines Fitnessstudios ein Muss. 80 Prozent der jungen Menschen trainieren bis zu dreimal pro Woche. Es gibt autofreie Sonntage, um die Menschen anzuspornen mehr Sport zu machen. Außerdem wird der Zucker höher besteuert, damit die Gesellschaft auf gesunde Lebensmittel zurückgreift. Hierbei möchte ich erwähnen, dass ich den autofreien Sonntag und die Erhöhung der Steuer auf Zucker super finde. Davon können wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden. Ich selbst liebe es, Sport zu treiben, und achte auf meine Ernährung. Es darf mir Spaß machen, mich nach dem Essen gut zu fühlen und Sport als ein Hobby anzusehen. Sport fördert die Gesundheit, genauso wie unser Essverhalten. Dennoch möchte ich alles in Maßen halten, damit ich einen gesunden Lebensstil beibehalte. Mein Sport oder mein Essverhalten dürfen mein Leben nicht kontrollieren. Stattdessen bin ich die Person, die diese Dinge kontrolliert.

Vorbildfunktion

Die Beispiele aus meinen Recherchen zeigen, dass unsere Definition von Schönheit besonders in den letzten Jahren durch die sozialen Medien extrem ungesund geworden ist, und ich frage mich, was das mit der kommenden Generation machen wird. Als Mutter einer dreijährigen Tochter stelle ich mir die Frage, wie ich sie davor schützen kann, ihre innere Schönheit zu opfern und die Meinung der negativ prägenden Medien zu übernehmen. Ich wünsche mir als Mutter, dass sich meine Tochter so annehmen kann, wie sie ist und wie sie aussieht. Das Schönheitsideal der heutigen Zeit sollte sie im besten Fall nicht verunsichern. Ich wünsche mir, dass sie sich lieben lernt und sich annehmen kann. Ich bin davon überzeugt: Wir als Mütter spielen eine besondere und sehr wichtige Rolle in dieser Konstellation. Unser Spiegelbild beeinflusst das Spiegelbild unserer Kinder und ganz besonders unserer Töchter. Denn unsere mögliche Unzufriedenheit trägt zur Schädigung des Körperbewusstseins unseres Kindes bei. Unsere Worte und unsere Blicke vor dem eigenen Spiegelbild können unsere Kinder verunsichern, indem sie anfangen, ihren eigenen Körper in ihrem Spiegelbild zu beurteilen und anschließend zu verurteilen.

 

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einer guten Freundin, die mir erzählte, dass sie selbst jahrelang ein Problem mit ihren Beinen gehabt hatte, weil sie immer wieder ihre Mutter über sich selbst hatte sagen hören, ihre Beine würden ihr nicht gefallen. Die Mutter fand ihre eigenen Beine zu stämmig und sprach ihre Unzufriedenheit vor der Tochter aus. Diese Unzufriedenheit übernahm meine Freundin und schämte sich schon als Kind für ihre schönen Beine und fand – genau wie ihre Mutter – dass ihre Beine zu stämmig waren. Ihre Mutter fungierte also wie ihr eigenes Spiegelbild.



Wie meine Freundin übernehmen auch wir häufig die Meinung einer wichtigen Person, die Autorität in unserem Leben besitzt und die Macht hat, in unser Leben hineinzusprechen. Sowohl unsere Worte als auch unsere Blicke prägen unsere Kinder. Deshalb muss ich als Mama vor meiner dreijährigen Tochter schon jetzt aufpassen, was ich vor oder zu ihr sage, wenn ich über mich selbst spreche. Denn ich bin für sie ein Vorbild. Ich darf gute Werte in sie hineinlegen, indem ich auf meine Worte und meine Blicke achte und mich und mein Innerstes respektieren und lieben lerne. Es kann aber sein, dass wir niemals gelernt haben, uns selbst zu lieben. Vielleicht wurdest du als Kind oft geringgeschätzt und hast den Worten deiner Eltern mehr Glauben geschenkt, als gut für dich war. Ja, vielleicht hast du niemals Liebe und Respekt bekommen und wurdest in deiner Kindheit sowie Jugend verbal missbrauchst. All das geht nicht einfach an uns vorbei. Diese Dinge haben uns geprägt und bilden somit unseren inneren Wert.



Als Mutter darf ich lernen, meine Tochter nicht nur nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Ich darf lernen, ihre Eigenschaften mehr wertzuschätzen und zu loben, statt ihr nur dann Komplimente zu machen, wenn sie ein besonders schönes Kleid trägt. Unsere Kinder sind auch dann schön, wenn sie einen Pyjama anhaben und ihre Haare zu Berge stehen. Wir dürfen unsere Kinder in ihren Talenten bestärken und ihnen Lob für ihr Können schenken. Jahrelang hat uns die Gesellschaft eingeredet, dass wir schön sein müssten, als wäre es das Wichtigste, was wir sein könnten. Wir müssen anfangen, unseren Körper lieben zu lernen, für das, was er kann, und nicht für das, wie er aussieht. Ich freue mich, dass du diese Zeilen liest, und wünsche mir, dass dich diese Sätze zum Nachdenken anregen. Ich glaube, hinter der Schönheit liegt viel mehr, als das, was wir bisher gelernt haben. In der heutigen Gesellschaft ist Schönheit auf schöne Fingernägel, schöne Kleidung und schöne Haare reduziert. Doch Schönheit hat auch eine geheimnisvolle und verführerische Kraft und hat mit unserer Psyche zu tun. Die Schönheit, wie wir sie kennen, ist nicht nur primär ein Erscheinungsbild des Menschen. Schönheit ist komplex, denn sie befindet sich in unserem Inneren. Und weil sie sich in unserem Inneren befindet, will sie erlebt und entdeckt werden.


 






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