top of page

Dürfen Christen tanzen?

Vielleicht hast du dir diese Frage auch schon einmal gestellt. Vielleicht bist du in einer Gemeinde aufgewachsen, in der Tanzen grundsätzlich verboten war. Vielleicht wurde dir gesagt, dass Gott sich darüber nicht freut oder dass ein Christ so etwas nicht tun sollte.

Interessant ist dabei jedoch eine andere Frage.


Warum stellen sich Christen diese Frage überhaupt? Denn wenn wir ehrlich sind, geht es gar nicht nur um das Tanzen. Hinter dieser Frage steckt etwas viel Tieferes.


Darf ich mich als Christ freuen? Darf ich lachen? Darf ich das Leben genießen? Darf ich Freiheit erleben? Oder muss ein Christ immer ernst sein, den Kopf gesenkt halten und bloß aufpassen, nichts falsch zu machen? Ich glaube, genau hier liegt der eigentliche Kern.


Frauen tanzen fröhlich miteinander und zeigen die Freude und Freiheit, die Gott schenkt.

Meine erste Begegnung mit diesem Thema

Bevor ich Jesus kennengelernt habe, war ich auf einem Familientreffen. Dort wollte ich einem kleinen Kind zeigen, wie man zu einem bestimmten Lied tanzt. Plötzlich sagte mein Mann zu mir: "Das solltest du hier lieber nicht machen."


Ich dachte wirklich, er macht einen Witz. Doch er meinte es ernst. Er war in einer Gemeinde aufgewachsen, in der Tanzen verboten war. Damals konnte ich das überhaupt nicht verstehen. Heute weiß ich, dass Millionen Christen weltweit genauso aufgewachsen sind. Für viele gehört es ganz selbstverständlich dazu, dass Tanzen, bestimmte Musik oder andere Dinge grundsätzlich verboten sind. Doch irgendwann stellte ich mir eine einfache Frage: Wo steht das eigentlich in der Bibel?


Steht in der Bibel wirklich, dass Christen nicht tanzen dürfen? Die kurze Antwort lautet:

Nein. Es gibt keine einzige Bibelstelle, in der Gott sagt, dass Christen nicht tanzen dürfen.

Keine. Trotzdem glauben viele Christen genau das. Warum? Schauen wir uns einmal an, woher dieser Gedanke wahrscheinlich kommt.


Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen - Karte A6
€2.20
Jetzt kaufen

1. Manche Tänze fördern Begierde – aber deshalb ist nicht jeder Tanz Sünde

Viele Tänze unserer heutigen Kultur haben einen erotischen oder sexuellen Charakter. Das kann niemand bestreiten. Wenn Tanzen dazu dient, Begierden zu wecken oder andere Menschen zu verführen, widerspricht das Gottes Gedanken über Reinheit. Doch daraus wurde oft folgender Schluss gezogen:

Manche Tänze sind sündig. Also ist jeder Tanz sündig.

Genau diesen Schluss zieht die Bibel aber nicht. Die Bibel beurteilt nicht jede Bewegung des Körpers, sondern schaut auf das Herz. Warum tanze ich? Wem gebe ich die Ehre? Was möchte ich ausdrücken?


2. Die Tochter der Herodias – die bekannteste Geschichte

Oft wird auf die Geschichte verwiesen, in der die Tochter der Herodias vor Herodes tanzt (Evangelium nach Markus). Herodes gefällt der Tanz so sehr, dass er ihr beinahe jeden Wunsch erfüllen möchte. Auf Wunsch ihrer Mutter fordert sie schließlich den Kopf von Johannes dem Täufer. Doch wenn wir die Geschichte genau lesen, wird der Tanz an keiner Stelle verurteilt.


Verurteilt werden:

  • die Begierde des Herodes,

  • seine Eitelkeit,

  • sein törichtes Versprechen,

  • der Mord an Johannes dem Täufer.

Der Tanz selbst wird nicht als Sünde bezeichnet.


Frauen tanzen fröhlich miteinander und zeigen die Freude und Freiheit, die Gott schenkt.

3. Viele Verbote entstanden aus guter Absicht

Ein weiterer Grund liegt in unserer Geschichte. Im Laufe der Jahrhunderte wollten viele Christen möglichst weit weg von allem leben, was sie mit der Welt verband. Deshalb wurden in manchen Gemeinden Dinge verboten wie:

  • Tanzen,

  • Schmuck,

  • Theater,

  • Kino,

  • Kartenspiele,

  • bestimmte Musik,

  • Make-up.


Oft geschah das nicht aus böser Absicht. Man wollte Menschen vor Versuchung schützen.

Das Problem beginnt jedoch dort, wo aus einer menschlichen Schutzregel plötzlich ein göttliches Gebot wird. Dann heißt es nicht mehr: "Wir haben uns als Gemeinde dafür entschieden." Sondern: "Gott verbietet das." Und genau das ist ein großer Unterschied.


4. Auch unsere Kultur prägt uns

Ein gutes Beispiel dafür ist Alkohol. In vielen russlanddeutschen Gemeinden wird auf Gemeindeveranstaltungen grundsätzlich kein Alkohol getrunken. Warum? Nicht, weil die Bibel ein Glas Wein verbietet. Sondern weil viele Familien erlebt haben, welches Leid Alkohol anrichten kann. Alkoholismus hat Ehen zerstört, Kinder verletzt und unzählige Familien geprägt. Aus diesem Schmerz entstand eine verständliche Schutzregel.


In vielen deutschen Gemeinden sieht das ganz anders aus. Dort wird bei Hochzeiten oder Gemeindefesten manchmal sogar ein Glas Wein getrunken, ohne dass jemand darin ein Problem sieht – solange niemand sich betrinkt. Dasselbe erleben wir oft beim Thema Tanzen. Unsere Herkunft, unsere Kultur und unsere Gemeindetradition beeinflussen uns stärker, als wir manchmal denken.


5. Was sagt die Bibel denn über Tanzen?

Jetzt wird es spannend. Denn die Bibel erwähnt Tanzen nicht nur einmal. Sie beschreibt es immer wieder als Ausdruck von Freude.


Miriam tanzt nach der Rettung

Nachdem Gott Israel durch das Schilfmeer geführt hatte, nahm Miriam ihre Handpauke und alle Frauen tanzten und lobten Gott (2. Mose). Der Tanz war Anbetung. Er war Dankbarkeit.

Er war Freude über Gottes Rettung.

David tanzt vor Gott

Als die Bundeslade nach Jerusalem gebracht wurde, tanzte David mit ganzer Kraft vor dem Herrn (2. Samuel). Seine Frau Michal verachtete ihn dafür. Doch Gott stellte sich nicht auf ihre Seite. David schämte sich nicht dafür, seine Freude über Gott auszudrücken.

Lobt Gott mit Reigen

In den Psalmen lesen wir sogar die Aufforderung: "Lobt ihn mit Reigen." Tanz wird hier ausdrücklich als Form des Lobpreises genannt.

Eine Zeit zum Tanzen

Auch im Prediger heißt es: "Alles hat seine Zeit ... eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit zum Klagen und eine Zeit zum Tanzen." Freude gehört offensichtlich zu Gottes guter Schöpfungsordnung.


Geschenkgutschein
From€30.00€0.00
Jetzt kaufen

Hat Gott überhaupt Freude an unserer Freude?

Ich glaube, diese Frage sollten wir uns viel öfter stellen. Denn manchmal entsteht der Eindruck, Gott freue sich vor allem dann über uns, wenn wir möglichst ernst sind. Doch dieses Bild passt überhaupt nicht zur Bibel. Gott setzte Feste für sein Volk ein. Es wurde gemeinsam gegessen. Gesungen. Gelacht. Gefeiert.


Jesus selbst war auf einer Hochzeit. Er verwandelte Wasser in Wein (Evangelium nach Johannes). Er aß mit Menschen. Er freute sich über Kinder. Und Paulus schreibt (Römerbrief):

"Denn das Reich Gottes ist ... Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist."

Nicht irgendwann im Himmel. Schon heute. Freude gehört zum Reich Gottes.


Der verlorene Sohn endet mit Musik und Tanz

Eine meiner Lieblingsstellen zu diesem Thema finden wir im Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Als der Sohn nach Hause kommt, veranstaltet der Vater ein großes Fest. Und der ältere Bruder hört Musik und Tanz (Evangelium nach Lukas). Ist das nicht faszinierend? Ausgerechnet das Gleichnis, das Gottes Herz für verlorene Menschen beschreibt, endet mit Freude, Musik und Tanz. Nicht mit Strenge. Nicht mit Verurteilung. Sondern mit einem Fest.


Worauf sollten wir achten?

Natürlich bedeutet Freiheit nicht, dass alles automatisch gut ist. Die Bibel fordert uns auf, alles zu prüfen. Wenn Tanzen dazu dient, Begierde zu wecken, Menschen zu verführen oder Gott keine Ehre zu machen, sollten wir unser Herz prüfen.


Aber wenn ich allein in meinem Wohnzimmer Lobpreis höre, Gott danke, vor Freude tanze und ihm mein Herz ausschütte – warum sollte Gott daran keine Freude haben? Er sieht doch mein Herz.


Frauen tanzen fröhlich miteinander und zeigen die Freude und Freiheit, die Gott schenkt.

Freiheit sieht man

Vor einiger Zeit hatte ich einen Gedanken, der mich bis heute beschäftigt. Stell dir vor, zwei Christen stehen nebeneinander an einer roten Ampel. Im ersten Auto sitzt jemand mit leerem Blick. Alles wirkt schwer. Ernst. Bedrückt. Im zweiten Auto läuft Lobpreis. Die Person singt voller Freude mit. Man sieht ihr den Frieden an. Vielleicht klatscht sie sogar mit oder bewegt sich zur Musik. Welcher dieser beiden Menschen zeigt der Welt, dass das Evangelium wirklich eine gute Nachricht ist?


Freiheit bedeutet nicht, dass wir tun können, was wir wollen. Freiheit bedeutet, dass Christus uns von Angst, Verdammnis und Gesetzlichkeit befreit hat. Vielleicht hat David genau deshalb getanzt. Nicht, weil er tanzen musste. Sondern weil seine Freude über Gott größer war als die Angst davor, was andere über ihn denken könnten.


Mein Fazit

Dürfen Christen tanzen? Ich finde in der Bibel keinen einzigen Vers, der es verbietet. Dafür finde ich viele Stellen, in denen Menschen Gott tanzend loben, seine Rettung feiern und ihre Freude ausdrücken. Deshalb glaube ich: Nicht jeder Tanz ehrt Gott. Aber auch längst nicht jeder Tanz ist Sünde. Am Ende entscheidet nicht die Bewegung unserer Füße.

Sondern die Haltung unseres Herzens. Und vielleicht sollten wir uns viel häufiger nicht fragen: "Darf ich tanzen?" Sondern: "Habe ich verstanden, wie frei ich in Christus wirklich bin?"


Du bist gesegnet.

Deine Elena

Blogbeitrag: Dürfen Christen tanzen?

Kommentare


© 2022 by Elena EngelsBibelSchönheit

bottom of page